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Label- oder DIY-Release? Die Vor- und Nachteile

Es war noch nie so einfach, seine Musik selbst zu veröffentlichen - aber die Releases von Künstler*innen großer Labels bekommen in der Regel immer noch die meiste Aufmerksamkeit. "Wie soll ich meine Musik am besten veröffentlichen?", höre ich Dich fragen. Lass uns die Vor- und Nachteile der DIY- und der Label-Route genauer unter die Lupe nehmen.

Veröffentlicht am
February 1, 2024
Autor*in
Conor Fitzpatrick
Marketing & User Research Manager

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Aufmerksamkeit: Deiner Musik Gehör verschaffen

Es ist schwer, die Leute auf sich aufmerksam zu machen und sie dazu zu bringen, sich Deine Musik anzuhören, ganz klar. Egal, ob Du unabhängig bist oder mit einem Label arbeitest, es ist immer eine Herausforderung, die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen und zu behalten. Das gilt besonders jetzt, wo der Musikvertrieb für alle zugänglich geworden ist. Starke Beziehungen zu Kurator*innen und “Tastemaker*innen” sind daher von großem Wert. Heutzutage sind diese vor allem auf Streaming- und Social-Media-Plattformen, aber auch nach wie vor im Radio oder TV aktiv. Auch Influencer*innen zu anderen Themen auf Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok, Markenkooperationen und "Sync Placements" (Verwendung Deiner Musik in Videos, Serien oder Filmen) können sehr wertvoll in Sachen Aufmerksamkeit für Deine Musik sein.

Im Allgemeinen haben größere Labels viele und gute Beziehungen sowie das nötige Budget für Werbung, um der Sichtbarkeit von Künstler*innen erheblichen Anschub zu geben.

Label

Vorteile eines Label-Release: Labels haben Einfluss

Speziell die Major-Labels, also die Universal Music Group, Warner Music und Sony Music,  können Künstler*innen unvergleichliche Sichtbarkeit verschaffen. Spotify und andere Streaming-Dienste stehen an erster Stelle, wenn es darum geht, neue Musik zu entdecken. Sie bevorzugen häufig Veröffentlichungen von großen Labels aufgrund der in der Regel hohen Qualität. Die Aufnahme in die populären Playlists bei Spotify und Co. bedeutet, dass ein großes Publikum erreicht wird. Diese Hörer*innen können Deine Musik wiederum zu ihren eigenen Playlists hinzufügen, sie mit Freund*innen teilen und/oder Dir folgen. Damit multipliziert sich der Effekt und noch mehr Menschen hören Deine aktuelle und zukünftige Musik. Die großen Labels haben große Budgets, um für Dich und Deine Releases zu werben,  z.B. auf Plakatwänden oder mit Werbung auf Social-Media.

Je nach Größe des Labels und des Potenzials, das sie in Dir und Deiner Musik sehen, kann es sein, dass Du auch einen kleineren oder größeren Vorschuss aus Deinem Plattenvertrag erhältst. Das bedeutet, dass Du sofort Geld auf Deinem Konto hast und Deine Musikkarriere in Vollzeit verfolgen kannst (zumindest für eine gewisse Zeit).

Nachteile eines Label-Release: Du hast nicht die Kontrolle

Angenommen, Du hast Deine Musik fertig produziert - eine EP mit 4 Songs, die Du gemischt und gemastert hast. Ein Label zu finden, das sie veröffentlicht und promotet, kann ein bisschen so sein wie die Suche nach einem neuen Job, der aber noch nicht von einem Unternehmen in einer Jobbörse ausgeschrieben wurde. “Kalte Akquise” von Plattenlabels kann frustrierend sein - endlose, auf den*die Empfänger*in zugeschnittene E-Mails, in denen Du Dich und Deine Musik vorstellst, nur um von den meisten überhaupt keine Antwort zu bekommen. Wenn ein Label Interesse an Dir oder Deiner Musik zeigt, solltest Du bedenken, dass ein Vertrag nicht über Nacht zustande kommt. So etwas braucht Zeit und das Zutun vieler Menschen.

Labels haben vielleicht eine Meinung zum Mix, den Texten, dem Artwork ... die Liste möglicher Einwände oder Anpassungswünsche ist lang. Du kannst Deine Musik auch nicht veröffentlichen, wann immer Du willst. Labels haben in der Regel viele Künstler*innen unter Vertrag und müssen die Releases für alle planen und betreuen. Das kann bedeuten, dass Du mit Deiner Musik, von der Du glaubst, dass sie den Leuten gefallen wird, hinten anstehen musst. Es kann eventuell auch passieren, dass es im ganzen Jahr keinen Platz für Dein Release gibt und Du bis zum nächsten Jahr warten musst.

Darüberhinaus gibt es noch einen wichtigen Unterschied zu einem eigenständigen Release, wenn es ums Thema Rechte und Tantiemen geht: Wenn Du einen Vertrag mit einem Label unterschreibst, musst Du in der Regel alle oder die meisten Deiner Rechte an der Tonaufnahme an das Label übertragen oder abtreten. Sobald diese Übertragung stattgefunden hat, gehören die Rechte an der Aufnahme ganz oder zum Teil nicht mehr Dir bzw. sind nicht mehr unter Deiner Kontrolle. Im Rahmen eines Vertrags zwischen einem Label und einem*einer Künstler*in behält das Label normalerweise die Rechte an den Masteraufnahmen für einen längeren Zeitraum - solange, wie es vertraglich mit dem Label vereinbart ist bzw., wenn das Label Aufnahmerechte durch eine wirtschaftliche Leistung erworben hat, auch dauerhaft. Im Gegenzug dafür erhältst Du als Künstler*in Tantiemen aus der Verwertung dieser Rechte (normalerweise einen prozentualen Anteil) und wie bereits erwähnt, einen kleineren oder größeren Vorschuss.

Wer genau welche Leistungsschutzrechte an einer Aufnahme haben kann und wie daraus Tantiemen entstehen, erfährst Du im Artikel Musikrechte und Tantiemen verstehen.

DIY (Do-it-yourself)

Vorteile einer eigenständigen Veröffentlichung: Du hast die Zügel in der Hand

Das digitale Zeitalter hat es möglich und einfacher denn je gemacht, Deine Musik einem großen Publikum zugänglich zu machen. Du kannst als Musiker*in einfach Online-Plattformen und DIY-Vertriebsdienste nutzen, um Deine Musik mit der Welt zu teilen und bist dafür nicht auf traditionelle Labelstrukturen angewiesen. Du kannst Dich z.B. bei einer Plattform wie MusicHub anmelden und so viel Musik veröffentlichen, wie Du willst.

Einer der Hauptvorteile der DIY-Herangehensweise ist die volle kreative Kontrolle, die sie Dir bietet. Als Musikproduzentin und unabhängiger Künstler*in hast Du die Freiheit, Deine künstlerische Vision ohne Einfluss oder Druck von außen zu gestalten. Diese Autonomie kann für Künstler*innen, denen ihre künstlerische Integrität am Herzen liegt, sehr wertvoll sein. Keine Wartezeiten, volle Unabhängigkeit und Kontrolle - veröffentliche was Du willst, wann Du willst. Es kann für Künstler*innen sehr frustrierend sein, wenn Dein Label Dir sagt, dass Dein geliebter Song oder sogar das ganze Album nicht zu Dir passt oder kommerziell nicht erfolgreich sein wird und Du deshalb zurück ans Reißbrett musst.

Du musst weder Deine Rechte noch den Großteil Deiner Einnahmen abgeben, was einen großen Unterschied machen kann. Das bedeutet, dass Du das Geld wieder in Deine Kunst investieren kannst - zum Beispiel in ein Musikvideo, für das Du eine von Dir ausgewählte Location mit befreundeten Tänzer*innen mieten kannst (die Du für ihre Arbeit bezahlen kannst). Klingt toll, oder? Der Punkt ist, dass Du mit Deinem Verdienst machen kannst, was Du willst. Niemand kann Dir vorschreiben, was Du zu tun hast.

Nachteile einer eigenständigen Veröffentlichung: Es ist ein steiler Aufstieg

Um noch einmal auf das Thema Aufmerksamkeit zurückzukommen: Als unabhängiger Künstler*in ist es eine echte Herausforderung, Deiner Musik Gehör zu verschaffen. Die meisten Künstler*innen haben nicht das Budget, um eine Promotion- oder PR-Agentur zu bezahlen, die sich um ihre Release-Kampagnen kümmert, sie auf Plakatwände bringt usw.

Um auf das Beispiel des Musikvideos zurückzukommen, über das Du die volle Kontrolle hast: Das bedeutet auch, dass Du das Video selbst produzierst (es sei denn, Du hast genug Geld, um diese und andere Aufgaben auszulagern). Das kann wiederum bedeuten, dass Du Helfer*innen, Ausrüstung usw. suchen musst. Alles selbst zu machen, kann wirklich ein Vollzeitjob sein und es kann zu einer echte Herausforderung werden, den Kopf oben zu halten und weiterzumachen, wenn die Zeiten finanziell oder durch einen hohen Workload schwierig werden.

Es gibt keinen perfekten Weg

Denk daran: Es gibt keinen vorgegebenen Weg, Musikerin zu sein und Musik zu veröffentlichen - und auch keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Du befolgen kannst. Es geht darum, sich auf einem nicht-linearen Karriereweg zurechtzufinden, sich auch mal zu verirren und dann an einem Ort zu landen, an dem man wieder eine neue Perspektive gewinnt. Macht das Sinn? Falls nicht, keine Sorge. Karrierewege (speziell als Musiker*in) verlaufen selten wie geplant und sind nicht immer rational. Wenn Du das hier liest, bist Du wahrscheinlich unabhängig (denn das ist die Mehrheit der Künstler*innen). Nur eine sehr kleine Anzahl von Künstler*innen hat einen Plattenvertrag.

Deine Musik unabhängig zu veröffentlichen ist also eine gute Idee. Denn wenn sie bereits in der Welt zu hören ist, steigert das das Potenzial, z.B. für einen Plattenvertrag. Ein Beispiel aus dem Jahr 2023: Kenya Grace drehte in ihrem Schlafzimmer in England Videos mit DnB-inspirierten, emotionalen Popsongs und veröffentlichte sie selbst auf Streaming-Plattformen, bevor sie mit "Strangers" einen viralen Hit landete und von Warner Music unter Vertrag genommen wurde.

Ein Plattenvertrag ist aber nicht mehr der Heilige Gral. Immer mehr Künstler*innen, auch solche, die früher bei großen Plattenfirmen unter Vertrag waren, erkennen die Vorteile der Unabhängigkeit und wagen den Sprung. Raye tat sich z.B. schwer damit tat, dass sie nicht die Musik veröffentlichen konnte, die sie wollte, und landete dann ohne Label mit Escapism 2022/2023 einen Riesenhit.

Der Punkt ist, dass Du einfach nie weißt, was passieren wird. Es ist auf jeden Fall (meistens) eine gute Idee, Deine Musik von Deinem Computer mit der Welt zu teilen, denn wenn Du das nicht tust, ist es sehr wahrscheinlich, dass gar nichts passiert.

Stöbere weiter in MusicHubs Ressourcen für DIY-Musiker*innen

Mehr nützliches Wissen und Einblicke zur Musikdistribution, Promotion, Rechten & Tantiemen, Musikproduktion und vielem mehr findest Du in unserem MusicHub-Blog. Wir veröffentlichen regelmäßig Künstler*innen- und Expert*innen-Interviews und inspirierende Artikel mit jeder Menge Tipps und Anregungen, auch in aller Kürze auf Instagram oder TikTok.

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Photo Credit Blog Cover: ©iStock/SrdjanPav

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